Yes they can

„Als ich die Augen öffnete blendete mich das weiß gerader und spitzwinkliger Flächen.  Selbst beim Blick steil gen Himmel verlor die Landschaft nichts von ihrer Gleichförmigkeit. Alles rund um mich herum glänzte mit derselben Intensität und raubte mir jede Möglichkeit der Orientierung. Bis auf das stetige Rauschen des Windes in das sich immer wieder das Flüstern unbekannter Stimmen einschlich, konnte ich nicht das Geringste hören. Und das Einzige was ich fühlte war Kälte.
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Dr. Huber (Oculus non vidit, nec auris audivit)

„Hey Chef?“, sagte ich schon zum dritten Mal. Der Kerl war so in das Spiel mit zwei Würfeln vertieft, dass meine Stimme nicht zu ihm durchdrang. Sein fast leeres Glas Gin teilte sich den Platz vor ihm mit vier weiteren, allerdings leeren Brüdern.

„Letzte Runde, Chef!”, versuchte ich es anders.

Suffbrüder wie der hier wurden erst hellhörig, wenn man ihnen den Sprit abdrehte. Und tatsächlich hatte ich ihn wohl erreicht.

„Letzte Runde?”, wiederholte er. „Letzte Runde, letzte Runde, letzte Runde! Ha! Wie recht sie doch haben!” Trotzig blickte er in seine halb geöffnete Handfläche. Darin lagen die zwei Würfel. Sie sahen aus wie aus Glas gefertigt. Dann ließ er sie langsam auf den Tisch gleiten.

Die beiden Spielsteine purzelten übereinander, über den Tisch und kamen letztlich zur Ruhe. Und das Gesicht des Mannes wurde kreidebleich.

„Alea iacta est!”, flüsterte er und blickte mir in die Augen.

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Veröffentlicht unter Gaga

Morituri se ipsos salutant

Fremder. Du seist gewarnt, wenn du eintrittst unter mein Reich. Einst war ich Herr und Gesetz der grünen Halle, die du nun betrittst. Der sanfte Hall des Lebens war zu jener Zeit ein Atemzug aus meinen Lungen!

Wenn ich durch diese Bäume meine Arme in die Luft reckte, konnte ich den Wind spüren, der die Welt liebkoste und mit ihren tiefsten Wurzeln fühlte ich dem Wirken der heißen Kräfte im Inneren der Erde nach, auf der Du wanderst.

All das ist nun nicht mehr.

Seit Ihr eure Füße auf den Boden der Welt gestellt habt verändert sie sich ständig! Ihr seid anders als jene die vor euch kamen. In euch ruht etwas, das meinem eigenen Selbst so ähnlich wie entstellt ist. Ihr seid euer eigener Gott! Ihr simuliert mich.

Während der Wind schon lange nicht mehr durch die Hallen aus lebendigem Holz hallt, sondern durch die blanken Knochen meines Selbst, verhöhnt euer Sein meinen Niedergang. Meine Welt ist vergangen, wie auch eure eines Tages nicht mehr ist.

Allein das sollte mir Genugtuung sein – ist es aber nicht.
Fremder. Vielleicht lernst du etwas, wenn du eingehst in mein Reich. In die grüne stumme Höhle meiner Todeshallen. Falls nicht, grüße ich dich, Totgeweihter.