My Corona

In den letzten Tagen habe ich mich wieder einmal mit Murphy’s Gesetz angelegt und verloren. Daher sitz ich jetzt schon zum zweiten Mal in unserem Schlafzimmer in Isolation und muss mich mit Untätigkeit und zu viel Serien durch den Tag bewegen. Mir fehlt der tägliche Ausritt auf dem Rad und der sonstige Sport, der mir zum Alltag gehört. Beim ersten Mal hatten wir zumindest Frühling und es war schön warm und sonnig und es gab tausend Baustellen an den Rädern zu beheben. Und ich war symptomfrei. Ohne den obligatorischen PCR Test hätte ich nicht mal bemerkt, dass ich krank bin.

Das ist beim zweiten Mal deutlich weniger lustig. Die ersten zwei Tage hatte ich starke Halsschmerzen und fühlte mich schlapp. Inzwischen lassen diese Sachen zum Glück nach. Was aber auch bedeutet, dass mir spätestens Montag die Decke auf den Kopf fällt. Um zu schlafen fehlt mir die Müdigkeit und Erschöpfung durch körperliche Aktivität. Und während ich nun wach liege, stellen sich Fragen ein, die einem den Hodensack eng werden lassen. Zumindest wenn man einen hat.

Es läuft gerade alles auf eine Entscheidung für oder gegen berufliche Weichenstellung hinaus. Das Team mit dem ich jetzt schon viele Jahre zusammen arbeite verliert sich langsam aus dem Blick und darunter leidet ziemlich viel. Es muss sich etwas ändern, sonst bricht das bald an wichtigen Stellen unumkehrbar auseinander.

Die Frage ist also nur wie lange ich noch so weitermachen kann. Mir geht diese Situation langsam an die Gesundheit und ich weiß, dass ich das demnächst klären muss.

Daran hhängt aber auch eine Richtungsentscheidung für meine berufliche Zukunft. Will ich weiter technisch arbeiten oder lieber andere dazu anleiten? Beides ist in unserem Bereich nicht möglich.

So hat diese verdammte Isolation zumindest eines bewirkt: ich fange an nachzudenken.

Is there a Planet B?

Also momentan ist mir wirklich alles zu viel. Ich kann keine Nachrichten mehr hören, ich kriege die Krise, wenn ich an die vielen Baustellen in meinem Leben denke und ich finde keien Ruhe. Sobald es zu leise ist, triggern mich all die leisen Geräusche um mich herum, so dass ich dann schnell irgendwas anmache das mich ablenkt. Meine Konzentrationsfähigkeit ist beim Teufel. Darum habe ich jetzt den Plan gefasst auszuwandern. Aber das dieser verfickte Planet eh nur voller Idioten ist (von den wenigen Menschen die ich meine Freunde nenne oder die zur Familie gehören und damit Welpenschutz genießen mal abgesehen.) will ich dringend auswandern. Und zwar auf einen neuen Planeten.

Nennen wir ihn der Einfachheit halber Planet Bernhard. Passt auch zur Überschrift. Und ich würde garantiert Fridays for Future Lügen strafen, wenn das klappt! Natürlich gibts dann für alle Neubürger von Bernhard ein passendes Shirt mit der Aufschrift: „There is a Planet B!“.

Ja, das würde mir gefallen. Ich wäre auch nicht weiter wählerisch. Heißes KLima? Bin ich gewohnt. So viel heiße Luft wie derzeit an allen Ecken der Erde produziert wird, von immer noch mehr Menschen deren eiziger Daseinzweck ein lokaler KLimawandel zu sein scheint. Die sich in die Bullshitjobs rein knien, als gälte es dort tief in der Scheiße wühlend etwas güldenes zu finden.
Vermutlich ist das nur deren Hoffnung, der der Antrieb weiterzumachen nicht erlöschen lässt. Immer weiter, so viel ist schon investiert, so viel Lebenszeit verpufft in der Aufgabe die Scheiße anderer Leute von der einen zur anderen Abteilung zu reichen. So oft kam schon der trügerische Gedanke, dass diese Scheiße doch gestern schon mal dagewesen war…

Ihr könnt alle hier bleiben. Macht euch die Erde Untertan! Aber ohne mich. Ich will Leute mit denen man Dinge diskutieren kann, ohne gleich Triggerwarnungen los zu lassen. Ich will kontroverses. Ich will meine Meinung bilden und nicht vorkonfektioniert aus dem politischen Baukasten. Ich will Frieden. Ich will die Freiheit Dinge zu tun und nicht die iphonesque Freiheit ein Feature nicht mehr zu nutzen, weil der Designer dachte es sei unnütz.

Ich will Ruhe. Kein dauerndes Medienstakkatto. Kein sofortiges Affektheischen von Skandal zu Skandal. Weil der eigentliche Skandal nicht in seiner Sache liegt, sondern viel mehr, dass ihr euch alle wie die Aasgeier darauf stürzt, weil es euch genauso geht wie mir: Ihr braucht Ablenkung von eurem Dasein. Das nicht so Insta-tauglich ist, wie eure Video und Fotofilter suggerieren. Und überhaupt. Warum braucht ihr Instagram? Damit ihr euch nur innen hohl fühlt? Damit die Fassade eurer potemkinschen Existenz zumindest nach außen glitzert?

Bei Momo hättet ihr die Grauen gespielt. Jetzt seid ihr zwar schick und modisch und der letzte Hype, aber ihnen drin ist nichts. Und die Leere füllt sich halt am schnellsten mit Oberflächlichkeit.

Ich brauche all das nicht. Ich brauche einen Ort der Kontemplation. Früher war der in mir. Jetzt ist dort nur noch Chaos. Alles ist aufgewühlt, ein unordentlicher Mahlstrom, ein Ort der Gefahren, der Erinnerungen, der Dinge die ich in alle Ritzen gestopft habe, um mich später darum zu kümmern. Es ist kein Platz mehr für Ruhe. Darum suche ich sie jetzt in den Weiten des Alls.

An alle intelligenten oder quasi-intelligenten Wesen da draußen: Hier sucht jemand eine neue Heimat. Gerne gebraucht, Hauptsache etwas Platz für mich und meine Liebsten. Hunde willkommen. Danke!

Idole

Mir hat einmal jemand gesagt, dass es mehrere Stufen beim Erwachsen werden gibt. Sozialisationsstufen wie er es genannt hat. Das Fazit war: Solange noch jemand lebt der dich großgezogen hat bist du ein Kind. Erst wenn dieser letzte Haltepunkt verschwindet, ergo Mutter und Vater nicht mehr unter den Lebenden weilen, erst dann ist man endgültig erwachsen. Und damit hatte diese Person völlig Recht. Sofern man sich nicht auf ein nachgelagertes Erbe stützen kann ist dieser Lebensabschnitt der, von dem an man wirklich völlig autark existieren muss, sofern man nicht zeitig eine eigene Familie gegründet hat. Auf dem Weg dahin gibt es aber noch weitere Sozialisationspunkte. Einer davon wird mir derzeit schmerzlich bewusst.

Seit letztem Jahr fällt es mir verstärkt auf. Mit dem Tod meines liebsten Autors und meiner liebsten Science Fiction Figur hat sich eine Lücke in meinem Leben aufgetan an die ich bis zu ihrem Auftreten nie gedacht hätte. Meine Idole sterben aus.

Als Leonard Nimoy abtrat dachte ich noch „Lebe lang und in Frieden“. Mit Terry Pratchett hatte ich schon deutlich mehr Verbindungen. Seine Geschichten haben mich intensiv beeinflusst, sowohl was die Art des Humors angeht, als auch seine Art kritisch zu denken.

Wie sehr er mir fehlt merke ich bei der Lektüre seiner letzten beiden Bücher. Es ist einfach nicht richtig. Er war schon kurz vor Abschluss nicht mehr der Mensch der er gewesen war ehe das Vergessen seinen Verstand befiel. Der Geist den seine Romane besehlt hat war verschwunden und ich quäle mich immer noch durch die letzten Seiten seines letzten Werks. Pratchett war wohl schon vor seinem Ableben nicht mehr wirklich da.

Und jetzt bin ich seit fast zweieinhalb Jahren Vater und natürlich denke ich darüber nach, wie es für meinen Sohn sein wird. In der Jetzt-Zeit gibt es ja keine echten Idole mehr. Sowas wird heutezutage gecastet und hat eine genau bemessene Lebensdauer nämlich bis zum Return on Invest. Alles darüber hinaus ist Bonus und – wie mir scheint manchmal lästig.

Vielleicht bin ich zu alt um die Realität noch mit den Augen junger Menschen wahr zu nehmen. Aber ich finde diesen Trend wie ich ihn erlebe traurig und verstörend. Hoffentlich kehrt er sich bald wieder um.

Yes they can

„Als ich die Augen öffnete blendete mich das weiß gerader und spitzwinkliger Flächen.  Selbst beim Blick steil gen Himmel verlor die Landschaft nichts von ihrer Gleichförmigkeit. Alles rund um mich herum glänzte mit derselben Intensität und raubte mir jede Möglichkeit der Orientierung. Bis auf das stetige Rauschen des Windes in das sich immer wieder das Flüstern unbekannter Stimmen einschlich, konnte ich nicht das Geringste hören. Und das Einzige was ich fühlte war Kälte.
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