08.05.2010

von serajaten in Lyrisches

Ich wollte Alles wissen
ich wollte Ewig leben
aber nicht einsam sein.
Fürchten wollte ich nie.

Nichts!

Ich fürchtete Einsamkeit
Ich fürchtete Zweisamkeit
Ich fürchtete Einsamkeit.
Wollte nichts mehr wissen.
Wollte sterblich sein.

Wollte niemals wieder so lang alleine sein.


01.03.2010

Abendrot, nach Zahlen

von serajaten in Gaga, Lyrisches

Schon als kleiner Knabe nahm mich mein Vater
auf seinen Schoß, wenn er bei der Arbeit saß.
Er war Maler, wie schon sein Vater
und der Vater seines Vaters.

Über viele Generationen hinweg waren die Väter
in meiner Familie Maler.
Aber sie malten nicht viele, sondern nur ein einziges,
nie ganz vollkommenes Bild.
Jeder für sich, sein Leben lang.

Der Rahmen war nicht groß, vielleicht ein Meter oder
mehr im Durchmesser.
Sie waren Meister ihrer Kunst.
Das wichtigste, so sagte mein Vater oft, ist die Farbe.
Taugt sie nichts, taugt auch das Bild nichts.

Siehst du das Blau des Meeres? 1000 Jahre ist es her,
das unsere Ahnen sich entschieden, dass nur das Blau
in den Augen einer bestimmten Frau dafür geeignet war.
Und hier, wo der Himmel ins Meer mündet, die dunkle
Linie am Horrizont?!

Nur die schwärzeste Seele ihrer Epoche war für diesen
Farbton verantwortlich.
Aber die letzten 50 Jahre waren die schwersten.
Für mich, für meinen Vater. An uns war es, dem Abendrot
des Sonnenuntergangs Gestalt zu geben.

Es fehlt nur noch ein einziger Farbton. Einer von 150!
Vielleicht ist es dir ein Trost, dass damit das Bild endlich,
endlich, endlich vollkommen ist.
149 Farben, 149 Menschen und du, haben ihr Leben dafür gegeben.
Nein, lauf nicht weg! Wo würde das sonst enden!?


13.01.2010

Wortgefecht

von serajaten in Lyrisches

Schlagwort um Schlagwort erkämpfe ich
was ich eigentlich nur sagen wollte.

Unter dem lauten Stakkato der Argumente
fällt das Geklimper der Worthülsen nicht ins Gewicht.

Argumente müssen laut sein. Lauter als der Rest.
das was gesagt wird verliert an Bedeutung.

Bd wird dB. Inhalt und Medium tauschen die Plätze.
Bedeutung und Dezibel.

Aber was bleibt, wenn ich meine Standpunkte erobert habe!?
Was füllt die Stille, in die du fällst. Wenn wir streiten.

Wer nimmt mich Pyrrhus nach dieser Schlacht noch in den Arm?
Liebt mich jemand?

Habe ich das eben laut gefragt? Laut genug!?


05.01.2010

Das Mausen lassen!

von serajaten in Gaga, Lyrisches

ich hab die Katz am Schwanz gepackt,
nu is das Tier ganz splitternackt,
sein Fell glänzt feucht im Morgenrot,
die Katz ist nun wohl mausetot.


05.01.2010

Sunt hic dracones

von serajaten in Lyrisches

Setzt du deinen Fuß auf jenes unbekannte Land – gib acht.
Kein Mensch war vor dir hier, du gehst auf ungeweihtem Boden.
Kein Pfad zeigt an, wo hin du deine Schritte lenken sollst.
Hier gibt es Drachen!

Du kommst von alten, weit entfernten Gestaden.
Der Wind des Neuen trieb dich voran und vor dir selber her.
Von Orten wie diesem hörtest du nur aus alter Leute Sagen.
Und dass hier Drachen leben sollen.

Traust du dich weiter gehen?

Die Stimmen hinter deiner Stirn, sie warnen dich.
Großväterworte, alt und voller Pflicht, mit paukenden Trompeten.
Im Enkelland verlieren sie schneller an Gewicht, als du es glauben magst.
Fragst du noch immer, warum es Drachen gibt?

Nimm alles was du weißt und wirf es über Bord, der Strand ist nah, es soll gewogen werden.
Trifft es noch vor dir ein von Flut und Well getrieben, es ward gewogen.
Ehre der Alten Gut, doch lass dich nicht davon in Ketten legen.
Wenn es hier Drachen gibt, wirst du sie finden, jagen und dann zähmen.


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