Banküberfall

„Also noch einmal von vorne: Der Mann kam in die Schalterhalle….und dann?!“

„Herr Kommissar. Das hatten wir doch schon alles. Ich weiß ja selbst, dass diese ganze Geschichte total unglaublich ist, aber auch wenn sie mich noch hundert Mal bitten, die Tatsachen bleiben die Selben.“

„Trotzdem, Herr Franke. Noch ein letztes Mal. Damit wir auch sicher nichts übersehen!“

„Nun gut. Es war heute kurz nach der Mittagspause. Das weiß ich ganz genau, weil es bei uns kurz nach der Mittagspause immer am heißesten ist. Manchmal so heiß, dass sogar die Klimaanlage ausfällt und einem die Schweißperlen förmlich über die Lippen rinnen. Genau wie heute Nachmittag. Als ich wieder in die Filiale kam, sah ich sogar Schlieren in der Luft über dem dunklen Asphalt. So wie in der Wüste, wissen sie.  Und den Fata Morganas. Nur halt ohne.“

„Ohne was?“

„Na ohne Fata Morganas eben! Jedenfalls waren wir alle richtig am Schwitzen und der Meier von der Versicherung hat sein Taschentuch nass gemacht, am Wasserhahn und es sich auf den Kopf gelegt. Aber wir standen alle hinter unseren Schaltern, außer Frau Becker, die noch den Schreibkram vom Automatenauffüllen erledigte.
Da ging die innere Türe zur Filiale auf und so ein Mann kam herein. Zuerst konnte man gar nicht erkennen, dass es ein Kerl war, von wegen dem Mantel und dem breiten Cowboyhut, den er trug, aber als er dann mitten im Raum stand, seinen Mantel zurück warf und zwei  riesige Revolver zog, da wusste ich: Jup. Das ist ein Kerl! Und was für einer, Herr Kommissar! Der hatte so zwei so Partronengürtel quer um die Brust und sein Gesicht war so verwittert, als wäre er 10 Jahre lang jeden Tag in ein Solarium – ohne Sonnencreme!
Und geraucht hat der ja auch! So nen runzeligen Stumpen, den man nur mit viel gutem Willen als Zigarre bezeichnen konnte. Ich mein: Wir haben doch jetzt Nichtraucherschutz! Das hätte ich ihm auch gesagt! Aber da bellt der schon los mit seinen zwei Schießeisen, voll in die Decke und schreit „Hände hoch, das ist ein Überfall!“ und „Geld her oder es knallt!“

„Und was geschah dann?!“

„Dann hatte ich erst mal Tinitus Herr Polizei, das geschah dann! So nen Revolver ist ja kein Kinderspielzeug. Da ist ordentlich Wumms dahinter! Der  Versicherungsmeier ist erst mal mit einem Satz hinter seinen Tresen verschwunden vor Schreck, da kam noch so ein Kerl durch die Tür. Der war noch fieser, als der erste und auch n  Stück kleiner und hat wieder mit der Pistole rumgeballert. Der schrie seinen Partner an, dass das schneller gehen muss, weil der Sherriff sicher schon auf dem Weg sei. Dann kam er auf mich zu und zeigte mit dem Lauf seiner Waffe auf mich. Ich war natürlich total aus dem Häuschen. „Hände hoch?“ „Das ist ein Überfall?“ Wer sagt denn sowas heute noch?!?!

Ich dachte ja erst an einen schlechten Scherz, aber die Löcher an der Decke sahen doch zu sehr nach Löchern aus, … wenn sie verstehen.  Gar nicht zum Lachen! Frau Becker musste das alles viel schneller verstanden haben, denn sie war sehr grün um die Nase, als ich mich zu ihr umdrehte. “

„Und was geschah als nächstes?“

„Dann? Wir nahmen alle drei die Hände hoch. Was hätten sie denn getan?! Der Kleine streckte mir einen fleckige Tasche entgegen, mit zwei Fächern und bellte mich an, das Geld da reinzustecken, während der Größere zu Frau Becker ging, sie am Arm packte und sagte „Zeig mir euren Tresor, Schätzchen, dann passiert dir nichts.“ Da wir kaum Bargeld bereithalten, war das mit dem Füllen der Taschen viel schneller erledigt, als es dem Kleinen recht war. Er hätte mich fast geschlagen, weil glaubte, wir würden ihn übers Ohr hauen, da brüllte der andere zu uns herüber „Jack, hol das Dynamit!“ DYNAMIT!! Da lief Jack nach draußen, war aber gleich darauf wieder zurück. Neugierig guckte ich nach draußen. Da wo unsere Automaten standen hatten die beiden zwei Pferde geparkt! Mit laufendem Motor standen die da draußen, wenn sie mir den Scherz erlauben.
in Jacks Händen sah ich eine Holzkiste, auf der fett TNT aufgedruckt war. Damit ging er an mir vorbei. Unser Tresor, wenn man das so sagen darf, ist quasi leer. Da lagern höchstens mal 50000 Euro, aber ich glaube gestern waren sogar nur 15000 darin. Die größeren Bargeldreserven haben wir in den 3 Automaten, aber die waren den beiden wohl gar nicht aufgefallen. Sie hatten nur ihre Pferde dran angebunden!
Der große Kerl , den Jack inzwischen Joe geschimpft hatte (irgendwie war jedes Wort aus seinem Mund ein Vorwurf), war wegen des Safes sehr ratlos.  Darum tat er, was alle Menschen tun würden: Er legte doppelt so viel Sprengstoff an das Gehäuse, wie er für notwendig hielt. Als ich Jacks Revolverlauf nach hinten folgte hatte Joe die letzte Zündschnur angebracht. Jetzt behaupte ich nicht ein Experte zu sein, aber ich gucke gerne Fern und da sieht man ja so einiges. Wenn man an einen Safe 20 Stangen Dynamit bindet, dann ist das keine Gefahr für den Safe oder seinen Inhalt, wohl aber für den Raum in dem er steht! Und in diesem Fall auch für fünf Menschenleben. Also tat ich, was nötig war.“

„Und das war was?!“

„Was? Ich öffnete natürlich den Tresor! Wäre ich zu einem Helden geboren, hätte ich keine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht, Herr Kommissar!“

„Sie halfen also den Bankräubern?“

„Helfen? Ja, wenn sie so wollen, dann habe ich das getan, denn die Alternative wäre alles andere als rosig gewesen! Mir waren die Löcher in der Decke nah genug an der Todeserfahrung! Jedenfalls: Ich packte das Geld in Jacks Tasche, diesmal war er deutlich erfreuter,  und bat die beiden freundlich die Bank nun zu verlassen.  Jack wollte mir darauf mit dem stumpfen Ende seiner Waffe eine überziehen, aber Joe hielt ihn gerade noch rechtzeitig am Arm fest und murmelte etwas von „Sherriff!“ und „Abhauen!“. Jack schien überzeugt, denn er ließ von mir ab und die beiden gingen wieder nach vorne, zäumten ihre Pferde  und ritten davon.“

„Und das war dann alles?“

„Ja, … das heißt fast. Ich bin mir nicht sicher, aber als Joe und Frau Becker ein paar Minuten allein waren, …. sie ist, müssen sie wissen schon knapp 40 und ein wenig verzweifelt…. Ich befürchte sie ist in ein beschleunigtes Stockholm-Syndrom geschlittert, falls sie verstehen, was ich meine?!“

„Sie hat sich ihn Joe verliebt???“

„So scheint es jedenfalls. Aber das passiert ihr öfter. So wie damals, mit diesem Hells Angel,…“

„Vielen …. …. Dank, Herr Franke. Sie haben uns sehr … …  geholfen. Sie können nun gehen.“

„Danke Herr Kommissar!“

4 Gedanken zu “Banküberfall

  1. :thumb:

    (Schon mal vom NaNoWriMo gehört? Wäre vielleicht was für Dich! Einen Monat lang nur schreiben, bis man am Ende 50.000 Wörter und eine tolle Geschichte geschafft hat.)

  2. Ist für dieses Jahr natürlich fast nicht mehr zu schaffen. Irgendwer im Forum dort stellte vorhin fest, dass man heute bereits rund 11.000 Wörter haben müsste, wenn man denn linear schreibt.
    Ansonsten aber dann halt vielleicht nächstes Jahr 🙂

  3. Ja, ich hab mal geguckt,… zwei Geschichten von mir kämen in etwa an die Zahl hin. Big Ike hat 11000 Wörter, Die Insel schon 80000 (gaga) ^^

    Ich werd mir das glaub mal in den Kalender packen!

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