Idole

Mir hat einmal jemand gesagt, dass es mehrere Stufen beim Erwachsen werden gibt. Sozialisationsstufen wie er es genannt hat. Das Fazit war: Solange noch jemand lebt der dich großgezogen hat bist du ein Kind. Erst wenn dieser letzte Haltepunkt verschwindet, ergo Mutter und Vater nicht mehr unter den Lebenden weilen, erst dann ist man endgültig erwachsen. Und damit hatte diese Person völlig Recht. Sofern man sich nicht auf ein nachgelagertes Erbe stützen kann ist dieser Lebensabschnitt der, von dem an man wirklich völlig autark existieren muss, sofern man nicht zeitig eine eigene Familie gegründet hat. Auf dem Weg dahin gibt es aber noch weitere Sozialisationspunkte. Einer davon wird mir derzeit schmerzlich bewusst.

Seit letztem Jahr fällt es mir verstärkt auf. Mit dem Tod meines liebsten Autors und meiner liebsten Science Fiction Figur hat sich eine Lücke in meinem Leben aufgetan an die ich bis zu ihrem Auftreten nie gedacht hätte. Meine Idole sterben aus.

Als Leonard Nimoy abtrat dachte ich noch „Lebe lang und in Frieden“. Mit Terry Pratchett hatte ich schon deutlich mehr Verbindungen. Seine Geschichten haben mich intensiv beeinflusst, sowohl was die Art des Humors angeht, als auch seine Art kritisch zu denken.

Wie sehr er mir fehlt merke ich bei der Lektüre seiner letzten beiden Bücher. Es ist einfach nicht richtig. Er war schon kurz vor Abschluss nicht mehr der Mensch der er gewesen war ehe das Vergessen seinen Verstand befiel. Der Geist den seine Romane besehlt hat war verschwunden und ich quäle mich immer noch durch die letzten Seiten seines letzten Werks. Pratchett war wohl schon vor seinem Ableben nicht mehr wirklich da.

Und jetzt bin ich seit fast zweieinhalb Jahren Vater und natürlich denke ich darüber nach, wie es für meinen Sohn sein wird. In der Jetzt-Zeit gibt es ja keine echten Idole mehr. Sowas wird heutezutage gecastet und hat eine genau bemessene Lebensdauer nämlich bis zum Return on Invest. Alles darüber hinaus ist Bonus und – wie mir scheint manchmal lästig.

Vielleicht bin ich zu alt um die Realität noch mit den Augen junger Menschen wahr zu nehmen. Aber ich finde diesen Trend wie ich ihn erlebe traurig und verstörend. Hoffentlich kehrt er sich bald wieder um.

Gäste im Garten

Galerie

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Gestern abend hatte ich schon die Idee mich heute beim Frühstück mal auf die Fotopirsch zu begeben und unsere neuen Zaungäste zu beobachten. Hier das Ergebnis:

Morituri se ipsos salutant

Fremder. Du seist gewarnt, wenn du eintrittst unter mein Reich. Einst war ich Herr und Gesetz der grünen Halle, die du nun betrittst. Der sanfte Hall des Lebens war zu jener Zeit ein Atemzug aus meinen Lungen!

Wenn ich durch diese Bäume meine Arme in die Luft reckte, konnte ich den Wind spüren, der die Welt liebkoste und mit ihren tiefsten Wurzeln fühlte ich dem Wirken der heißen Kräfte im Inneren der Erde nach, auf der Du wanderst.

All das ist nun nicht mehr.

Seit Ihr eure Füße auf den Boden der Welt gestellt habt verändert sie sich ständig! Ihr seid anders als jene die vor euch kamen. In euch ruht etwas, das meinem eigenen Selbst so ähnlich wie entstellt ist. Ihr seid euer eigener Gott! Ihr simuliert mich.

Während der Wind schon lange nicht mehr durch die Hallen aus lebendigem Holz hallt, sondern durch die blanken Knochen meines Selbst, verhöhnt euer Sein meinen Niedergang. Meine Welt ist vergangen, wie auch eure eines Tages nicht mehr ist.

Allein das sollte mir Genugtuung sein – ist es aber nicht.
Fremder. Vielleicht lernst du etwas, wenn du eingehst in mein Reich. In die grüne stumme Höhle meiner Todeshallen. Falls nicht, grüße ich dich, Totgeweihter.