04.10.2008

Vielleicht sollte ich es mit Lotto versuchen

Ich weiß, dass dies jeder behauptet, aber bei mir stimmt es! Mein Leben ist so unglaublich kompliziert, dass ich manchmal einfach nicht weiß, wo die Reise noch hinführen soll. Man guckt dann immer neidisch auf jene Leute, denen das so viel leichter fällt. Die ihren Fahrplan bereits in- und auswendig kennen und die sich lässig am Bahnsteig des Lebens lümmeln, weil sie sogar wissen wann ihr Zug Verspätung haben wird.
Für mich ist das nicht drin. Oh, ich weiß wie viel Glück ich schon hatte. Und jedes weitere Mal, an dem mir dies bewusst wird, bin ich dankbar und verwundert zu gleich. Mir steht so viel Glück meiner Meinung nach gar nicht zu. Das ist auch der Grund, warum ich noch nie in meinem Leben Lotto gespielt habe. Ja, sicherlich habe ich als Kind meinem Vater dabei geholfen die Kreuze zu setzen. Mit wachsendem und wieder abnehmendem Interesse. Aber ich habe noch nie eine Lottoschein bezahlt, noch nie gefiebert, wenn die Zahlen ausgelost wurden. Für mich ist die statistische Wahrscheinlichkeit eines Gewinns immer Ausrede und Amüsement genug gewesen, mich gegen diese Chance zu wehren.
Vermutlich würde ich verlieren, vermutlich würde ich mein Leben lang weiter machen in der Hoffnung auf einen Dreier. In der Anerkennung der Tatsache, dass der große Gewinn tatsächlich möglich ist.
Aber eigentlich ist es doch nicht Geld, das wir uns wünschen. Geld macht einige Dinge leichter, eine ganze Menge anderer Dinge aber unglaublich komplizierter. Was wir uns alle Wünschen ist Glück, nein nicht Glück – Glücklich sein. Der Unterschied ist kein semantischer. Glück ist etwas einmaliges, ein Tritt des Schicksals in unseren Allerwertesten mit der Absicht unsere Motivation zu verstärken. Glücklichsein wirkt da eher kontraproduktiv.
Glücklichsein bedeutet, die Dinge durch die rosa Brille zu sehen, nach dem Regen den Sonnenschein zu erwarten, Diskussionen um den Inhalt wegen zu führen, nicht um eigene Ziele zu erreichen. Glückliche Menschen bewegen nichts. Sie wollen den Status Quo. Sie wollen glücklich bleiben.
Oder ist das nur eine andere Form von Motiv? Bewegt ein apathischer Mensch etwa mehr? Lässt sich aus Pessimisten mehr herauspressen? Nur weil sie erwarten, dass alles sowieso immer so schlecht wird, wie es ihre Einstellung prophezeit? Oder nur weil es ihnen inzwischen gleichgültig ist?
Der Homo Apathicus scheint derzeit politisch ja gewollt. Kann man ihm doch Dinge aufbürden, die niemand sonst tragen würde.
Vielleicht sollten wir es einfordern, unser Recht glücklich zu sein. Egal, welche Wege die Welt durch das All nimmt, egal wie viele Schläge wir dabei in Kauf nehmen müssen. Denn letztlich sind die einzigen, die uns dieses Recht verwehren können, die einzigen Garanten unseres Glücks, wir selbst.

Vielleicht sollte ich aufhören übers Lotto spielen nachzudenken und einfach anfangen glücklich zu sein.