05.03.2007

Lohr a. Main

von serajaten in Geschwafel

Eine spannende kleine Stadt, dieses Lohr am Main. Liegt beerdigt eingebettet zwischen 4 großen Hügeln, die beim Anblick echt-bayrischer Alpenvorgebirge wohl lieber als Pickel am Arsch der Welt existieren würden! Es könnte richtig angenehm grün sein, wäre es nicht Anfang März und gefühlt Mitte April. Und irgendwie ist es ja tatsächlich so, man kommt sich vor, als wäre man zwischen Nirgendwo und Nirgends gelandet. Wäre da nicht der Main, der sich durch Lohr zieht und regelmäßig Neugigkeiten in Form von Schlamm und Baumstämmen brächte, Lohr wäre am Ende nie entdeckt worden, oder eben ausgestorben.
In Gedanken spiele ich die verschiedendsten Szenarien durch, von der Urwelt bis hin ins Rittertum. Ja, das wäre in der Tat reizvoll. Wäre ich damals Ritter gewesen, ich hätte auf jeden der vier Hügel, die die Stadt eingrenzen Türme gebaut. Und auf die Türme hätte ich dann Bogenschützen gesetzt. Wenn diese dann nicht an Langeweile und Sinnlosigkeit verzweifelt wären, dann hätten sie mich mit tollen pfeifenden Pfeilen warnen können. Vor heran nahenden Truppen oder so. Oder vor Dinosauriern. Gabs da sicher noch bis zum Beginn des letzten Jahrtausends!

Etwas über 5 km trennten mich vom Bahnhof, der in diesem Ort so derart hingerotzt aussieht, dass es einem Angst wird. Wie kann eine Stadt nur von einem Fluss leben, an dem die Schiffe nicht mal mehr anlegen!? Warum tun die sowas?! Verlaufen kann man sich hier in Lohr kaum. Der Ort wird von 2 Bundesstraßen in allerlei Richtungen zerlegt und jede von ihnen führt nur in eine Richtung – ganz schnell weg von hier. Kann man durchaus verstehen. Da wir ja schon fast April haben werd ich auch drei Mal nass. Wenigstens der Regen ist fair und lässt alle demokratisch an sich partizipieren, auch jene, die gar keinen Wert drauf legen. Echte Demokratie eben.

Ins Konzept passt, dass man den Weg zum Bahnhof nicht ausschildert. Oder nur so unscheinbar, dass eine schnelle Flucht per Bahn ausgeschlossen wird. Aber dank meiner Waldläuferqualifikationen finde ich auch aus dieser Falle. Nur ein Mal wäre ich ihnen auf den Leim gegangen, als sie mich unfairerweise in eine Augenklinik gelotst haben. Die Einheimischen hatten Mitleid, waren vielleicht selbst ehemals Flüchtige und halfen mir auf den rechten Pfad zurück.

Was soll ich sagen: Ich habs geschafft. Nicht mal auf den Zug musste ich lange warten und auf einen Fahrkartenschalter wäre ich gar nicht angewiesen gewesen, habe ich doch in der Zivilisation schon für eine Rückfahrt gebucht.

Als Fazit kann man sagen, dass Lohr ein Ort ist, an dem sogar Tote an Langeweile leiden dürften. Nebenbei hat es die Gemeinde geschafft, das wohl größte Gewerbegebiet der Welt zu erschaffen. Und wenn die Grafitis an den Unterführungen aussehen, als hätte man sie unter Anleitung der örtlichen Kindergartengruppe gestaltet, dann sollte man sich wirklich Gedanken machen… Fluchtgedanken!